Sexting

Sexting ist ein Kunstwort aus „Sex“ und „Texting“ und beschreibt das freiwillige Erstellen und Versenden von erotischen oder sexuell eindeutigen Inhalten über digitale Medien.

Vertiefungsmöglichkeiten

💡 Kurze Vertiefung für einen schnellen Überblick und leichter verständlich
🔍 Ausführliche Vertiefung mit vielen Hinweisen

➡️ Eltern und Lehrkräfte finden am Ende der Seite wichtige Hinweise.


💡 Sexting – Was du wissen solltest

Unter Sexting versteht man das Versenden von freizügigen Fotos, Nacktfotos, erotischen Videos und Nachrichten mit sexuellem Inhalt über Messenger-Apps, z. B. WhatsApp, Snapchat usw.

Das ist kein Randphänomen: Ein beachtlicher Teil der Jugendlichen hat bereits Erfahrungen mit Sexting gemacht. Problematisch ist: Viele verschicken solche Nachrichten ungefragt, und noch mehr haben ungewollt welche erhalten. Nicht wenige haben auch schon intime Inhalte anderer weitergeleitet.

Sexting

Unser Ansatz

Manche Aufklärungsseiten wählen zurückhaltende, vorsichtige Worte, um niemanden abzuschrecken. Das betrifft nicht nur Seiten über Sexting, sondern auch problematische Themen wie Pornographie, Alkohol und Drogenkonsum. Dabei wird teilweise auch riskantes Verhalten als normal oder „nicht so schlimm“ dargestellt. Wir sprechen die Probleme klar an, ohne dich zu verurteilen oder von oben herab zu reden. Uns geht es nicht um „gut“ und „böse“. Unser Ziel: Du sollst alle Risiken kennen, um eine informierte Entscheidung treffen zu können. Unter 14 Jahren darfst du dich jedoch auf keinen Fall dafür entscheiden, denn das ist immer verboten. Wenn du älter bist und Sexting für dich erwägst, solltest du unbedingt auch die ausführlichen Informationen zum Thema lesen, damit du weißt, worauf du dich einlässt.

Warum sexten Jugendliche?

Es gibt nachvollziehbare Gründe:

  • Nähe und Vertrauen in bestehenden Beziehungen oder Fernbeziehungen zeigen
  • Flirten und dabei sexuelles Interesse signalisieren
  • Selbstbewusstsein ausdrücken und sich attraktiv fühlen
  • Bestätigung erhalten und sich begehrenswert fühlen
  • Druck: Vor allem Mädchen werden häufig von Jungen bedrängt. Es kann auch Gruppendruck geben.

Diese Gründe sind verständlich, aber Sexting ist mit ernsthaften Risiken verbunden. Deshalb solltest du dir überlegen: Ist es das Risiko wert? Tabu-Bruch empfiehlt:

Die „Fo(u)r Eyes Only“-Regel

Das ist ein Wortspiel: „For your eyes only“ (streng geheim) und „Four eyes only“ (vier Augen). Gemeint ist: Sexualität in Beziehungen gehört zu den Dingen, die nur von den beteiligten Personen miteinander geteilt werden sollten. Was nur für eure vier Augen bestimmt ist, sollte nicht digital existieren.

Warum ist Sexting ein Thema für Tabu-Bruch?

Sexting kann sehr gefährlich werden, wenn deine Bilder ohne Erlaubnis verbreitet werden oder jemand dich damit erpresst. Solche Situationen können schwere psychische Probleme wie Depressionen, Angstzustände oder den Verlust des Selbstwertgefühls auslösen. Oft folgt darauf fieses Cybermobbing durch andere. Ein sehr trauriges und extremes Beispiel ist der Fall von Amanda Todd: Sie wurde als Siebtklässlerin dazu gebracht, sich vor einer Webcam auszuziehen. Ein Mann nahm das heimlich auf, erpresste sie später damit und stellte die Aufnahmen schließlich ins Internet. Obwohl Amanda mehrmals die Schule wechselte und sogar in andere Städte zog, holte sie die Sache immer wieder ein, und sie wurde ständig weiter gemobbt. Die psychische Belastung war über die Jahre so groß, dass sie sich schließlich das Leben nahm. Die Verantwortung dafür lag bei dem Täter und bei denen, die sie gemobbt haben, nicht bei ihr.

Aber auch wenn die Folgen nicht immer so extrem sind, kann die Lebensqualität langfristig stark unter solchen Vorfällen leiden. Viele Betroffene ziehen sich von ihren Freunden zurück, fühlen sich hilflos und werden von starken Schamgefühlen oder Selbstvorwürfen geplagt. Das kann sogar dazu führen, dass man später Probleme hat, neuen Partnern in einer Beziehung zu vertrauen, oder Angst vor echter Intimität entwickelt.

Wenn es dir selbst gerade schlecht geht, musst du damit nicht allein bleiben. Auf unserer Hilfeseite findest du Stellen, bei denen du anonym und kostenlos reden kannst.

Die Risiken – warum ist das ein Problem?

Viele Jugendliche, die intime Fotos verschickt haben, berichten, dass nichts Schlimmes passiert ist. Ein Teil hatte aber Probleme, und die können gravierend sein:

1. Kontrollverlust

Einmal versendet, hast du keine Kontrolle mehr. Das Bild kann gespeichert, weitergeleitet oder online gestellt werden.

Beispiel: Jana schickt ihrem Freund ein Nacktfoto. Nach der Trennung postet er es aus Wut in die Klassengruppe. Innerhalb von Stunden hat die halbe Schule es gesehen. Jana wird gemobbt und fühlt sich hilflos.

Das zählt man zu „Revenge Porn“. Hier werden intime Bilder ohne Zustimmung verbreitet, oft aus Rache. Das Internet vergisst nie! Gelöschte Aufnahmen, besonders wenn sie sexuelle Handlungen zeigen, werden oft immer wieder hochgeladen. Es kann schwer bis unmöglich sein, verbreitete Aufnahmen vollständig löschen zu lassen. Überlege dir deshalb vorher genau, ob du mit dieser dauerhaften Unsicherheit leben kannst.

2. Cybermobbing, Erpressung (Sextortion) und psychische Folgen

Sexting-Bilder werden häufig als Waffe beim Mobbing eingesetzt. Kriminelle oder Ex-Partner nutzen intime Bilder zur Erpressung. Sie fordern Geld oder weitere Bilder und drohen sonst mit Veröffentlichung.

Beispiel: Sophie chattet mit einem vermeintlich gleichaltrigen Jungen auf Instagram und schickt ein freizügiges Foto. Plötzlich droht er, es an ihre Eltern oder an Mitschüler zu schicken, wenn sie ihm nicht mehr Bilder oder Geld gibt. Manche Täter versuchen auch, Treffen zu erzwingen, bei denen es zu sexuellen Übergriffen kommen kann. Das Ganze kann sogar bis zum Menschenhandel führen. Auch Jungen sind von Sextortion betroffen!

Wirst du erpresst: Zahl nichts und schick nichts mehr, denn Täter fordern danach meist mehr. Lösch den Chat nicht, er ist ein wichtiges Beweismittel. Sag sofort einem Erwachsenen Bescheid, auch wenn du das Bild selbst geschickt hast. Mehr dazu in der ausführlichen Vertiefung.

Die Folgen können sein:

  • Massive Schamgefühle und Selbstvorwürfe
  • Depressionen und Angstzustände
  • Verlust des Selbstwertgefühls
  • Sozialer Rückzug
  • Vertrauensprobleme in zukünftigen Beziehungen
  • Im schlimmsten Fall: Suizidgedanken
3. Verzerrtes Bild von Sexualität

Viele Jugendliche, die Pornos gesehen haben, lassen sich davon für ihr Sexting-Verhalten inspirieren. Das kann zu unrealistischen Erwartungen führen. Viele neigen dazu, ihren Selbstwert zu sehr über Sexualität zu definieren.

4. Rechtliche Konsequenzen

Die rechtliche Situation ist komplex und für viele überraschend:

Unter 14 Jahren: Jegliche sexuelle Darstellung von Kindern ist ausnahmslos verboten, auch wenn du das Bild selbst gemacht hast. Bereits der Besitz ist strafbar! Unbedingt unterlassen! Du bist zwar unter 14 nicht strafmündig, aber wenn z. B. dein Freund bzw. die empfangende Person 14 oder älter ist, kann er massive rechtliche Probleme (Besitz von Kinderpornographie!) bekommen.

14 bis 17 Jahre: Das Erstellen und der Besitz sind grundsätzlich strafbar. Ausnahme: Straffreiheit, wenn das Material ausschließlich zum persönlichen Gebrauch in einer Beziehung mit Einwilligung aller Beteiligten hergestellt wurde.

ABER: Das Weiterleiten ist immer strafbar, auch wenn die Person zugestimmt hat! Wenn ihr beide 16 seid und euch in einer Beziehung mit Einwilligung beider gegenseitig Fotos schickt, ist das straffrei. Sobald einer die Aufnahmen weiterleitet oder anderen zeigt, ist es illegal.

Beispiel: Max (16) leitet ein Nacktfoto seiner Ex Paula (15) an Freunde weiter. Er wird wegen Verbreitung von Jugendpornographie angezeigt. Das Verfahren landet in seiner Akte und kann seine Zukunft beeinflussen (z. B. Bewerbungen, Führungszeugnis).

5. Unaufgefordertes Sexting = sexuelle Belästigung

Viele Jugendliche, die Sexting-Nachrichten bekommen haben, wollten diese gar nicht haben. Das unaufgeforderte Zusenden ist sexuelle Belästigung und kann strafrechtliche Folgen haben. Es gibt Meldeseiten für unaufgefordert zugesandte Dickpics (Penisbilder): https://www.polizeifuerdich.de/news/dickpics/

6. Deepfakes

Heute braucht es nicht einmal ein echtes Nacktbild. Mit KI lässt sich aus einem ganz normalen Foto eine täuschend echte sexualisierte Darstellung erzeugen. Auch wenn das Bild gefälscht ist: Die Scham und die Angst der betroffenen Person sind echt. Wer so etwas von Minderjährigen erstellt oder weiterleitet, kann sich strafbar machen.

Strafbare Inhalte – richtig reagieren

Egal, ob es Aufnahmen von minderjährigen Bekannten sind oder anderes kinder- oder jugendpornografisches Material (dazu zählen auch Bilder, die mit KI bearbeitet oder erstellt wurden!), so verhältst du dich richtig, wenn dir jemand so etwas schickt:

  1. Nicht teilen, nicht speichern, nicht bearbeiten oder „zensiert“ weiterleiten!
  2. Kennst du den Absender, sag ihm, dass er sich strafbar macht und sofort damit aufhören soll. Ist es ein Fremder, antworte nicht.
  3. Hol dir Hilfe, wenn die Person auf dem Bild Schutz braucht (z. B. weil das Bild gegen ihren Willen verbreitet wird), wenn der Absender nicht aufhört oder wenn du unsicher bist. Lösch das Material dann vorerst nicht, sondern informiere eine Vertrauenslehrkraft oder die Schulleitung. Diese müssen dann handeln und auch die Polizei einschalten. Zeig das Material niemandem, auch nicht der Lehrkraft, und leite es auf keinen Fall weiter. Die Beweissicherung ist Sache der Polizei. Sie sagt dir, wie es weitergeht.

Wenn du unsicher bist, kannst du dich auch anonym beraten lassen (siehe Hilfeseite).

Du kannst dich bei einer Beratungsstelle (z. B. Nummer gegen Kummer) beraten lassen. Ist die abgebildete Person vielleicht jemand, der Schutz benötigt, weil das Bild gegen dessen Willen verbreitet wird? Dann sollte der Fall vielleicht von der Polizei verfolgt werden.

Bevor du etwas verschickst

Es gibt kein „sicheres“ Sexting. Sobald ein Bild dein Handy verlassen hat, entscheidet die andere Person, was damit passiert, nicht mehr du. Stell dir vorher ehrliche Fragen: Wie alt bist du, und wie alt ist die andere Person? Hast du mindestens eine Nacht darüber geschlafen? Vertraust du der Person wirklich zu 100 Prozent? Fühlst du dich unter Druck gesetzt? Dann schick auf keinen Fall etwas! Und schick Menschen, die du nur aus dem Internet kennst, niemals intime Bilder. Mehr dazu findest du in der ausführlichen Vertiefung unten.

Was tun, wenn etwas schiefgeht?

Wenn intime Bilder gegen deinen Willen verbreitet werden, auch gefälschte oder mit KI erzeugte:

  1. Hilfe holen: Sprich mit Eltern, Lehrkräften oder der Schulsozialarbeit. Erwachsene können dich schützen und die nächsten Schritte mit dir gehen.
  2. Beweise sichern: Plattform, Account-Namen, Links und Datum notieren. Screenshots von Chats und Drohungen machen, aber nie vom Bild selbst. Nichts löschen.
  3. Verbreitung stoppen: Den Inhalt bei der Plattform melden. Bei Bildern, die entstanden sind, als du unter 18 warst, hilft auch https://takeitdown.ncmec.org/de/. Das Bild wird dabei nicht hochgeladen.

Das Verbreiten intimer Bilder ohne Zustimmung ist strafbar. Eine Anzeige machst du am besten gemeinsam mit einer erwachsenen Person.

Ausführliche Schritte, weitere Löschhilfen und rechtliche Möglichkeiten findest du in der ausführlichen Vertiefung.

Psychologische Unterstützung

Es ist normal, sich beschämt, wütend oder ängstlich zu fühlen. Aber wichtig: Du bist nicht schuld. Die Verantwortung liegt bei der Person, die dein Vertrauen missbraucht hat. Frühzeitige professionelle Hilfe durch Beratungsstellen oder Therapeutinnen und Therapeuten kann sehr wertvoll sein. Anonym und kostenlos reden kannst du bei den Stellen auf unserer Hilfeseite. Wenn du Gedanken hast, dir etwas anzutun, hol dir sofort Hilfe: bei einer Vertrauensperson, bei den Stellen auf der Hilfeseite oder im Notfall unter 112.

Fazit

Unsere Empfehlung bleibt: Fo(u)r Eyes Only. Was nur für eure Augen bestimmt ist, sollte nicht digital existieren. Und wenn doch etwas passiert ist: Fehler passieren. Wenn du in einer schwierigen Situation bist: Du bist stark, weil du damit umgehst und dir Hilfe holst. Wer Vertrauen missbraucht, sollte bestraft werden – nicht die Person, die geschädigt wurde. Du darfst dich wehren!

Hinweise für Freunde, Angehörige, Mitschüler und Bekannte

Diese Dinge sind schädlich:

◉ Auf keinen Fall die Nachrichten, Bilder oder Aufnahmen ansehen, speichern oder weiterleiten. Auch nicht „nur aus Neugier“! Das macht die Situation schlimmer und verletzt die betroffene Person erneut. Das Weiterverbreiten intimer Bilder ohne Einwilligung ist nicht nur „nicht okay“, sondern kann strafbar sein!

◉ Mache keine Vorwürfe! Sätze wie „Warum hast du das überhaupt gemacht? Wieso hast du dir das nicht vorher überlegt? Das war doch klar!“ helfen gar nicht. Sie verstärken Selbstvorwürfe, Scham- und Schuldgefühle, unter denen die betroffene Person ohnehin schon stark leidet.

◉ Keinen Druck ausüben, darüber zu reden: Die Person soll selbst entscheiden, wann und mit wem sie sprechen möchte. Drängen kann zusätzlich belasten.

◉ Keine Witze machen oder die Sache herunterspielen. Kommentare wie „Ist doch nicht so schlimm“ oder „Da musst du jetzt drüber wegkommen! Vergiss es einfach!“ können sehr verletzend sein und empathielos wirken.

◉ Wenn du merkst, dass jemand unter dem Vorfall leidet, lass die Person nicht allein. Ein kurzer, ehrlicher Zuspruch kann helfen, zum Beispiel: „Ich finde nicht okay, was passiert ist. Ich stehe auf deiner Seite. Wenn du reden möchtest, bin ich da.“ – Schweigen wirkt oft stärker, als andere denken. Die betroffene Person kann es als Ablehnung oder Verurteilung erleben, obwohl viele eigentlich nur unsicher sind und nicht wissen, wie sie helfen sollen.

◉ Versuche nicht, alles allein zu regeln: Freunde sollen unterstützen, aber nicht die ganze Verantwortung tragen. Wenn die Lage ernst ist, müssen Erwachsene oder professionelle Hilfsangebote eingeschaltet werden.

Diese Dinge sind hilfreich:

◉ Zuhören und ernst nehmen: Oft hilft es schon sehr, wenn jemand ruhig zuhört und nichts bewertet. Sag: „Du hast Vertrauen geschenkt. Dass jemand dieses Vertrauen verletzt hat, ist nicht deine Schuld.“

◉ Stoppt Gespräche, Witze und Getuschel. Wer merkt, dass andere darüber reden, kann klar sagen: „Das geht uns nichts an“ oder „Hör auf, das weiterzuverbreiten.“ – Wenn jemand trotzdem weitermacht, hol eine erwachsene Person dazu, zum Beispiel eine Lehrkraft.

◉ Biete an, gemeinsam zu einer Vertrauensperson zu gehen, zum Beispiel zu Eltern, Lehrkräften, Schulsozialarbeit oder Beratungsstellen. Allein ist so ein Schritt oft viel schwerer.

◉ Im Alltag da sein: Setzt euch in der Pause dazu, schreibt nette Nachrichten, geht den Schulweg gemeinsam oder bleibt in schwierigen Momenten in der Nähe. Kleine Zeichen von Rückhalt können sehr viel bedeuten.

Mehr Informationen findest du in der ausführlichen Vertiefung!


🔍 Ausführliche Vertiefung

Sexting – Ein umfassender Überblick

Im digitalen Zeitalter kommunizieren Menschen oft über Messenger-Apps oder andere Online-Dienste. Auch wenn es um Flirten, Beziehungen und Sexualität geht, hat die Digitalisierung neue Möglichkeiten geschaffen, aber auch neue Probleme.

Unter Sexting versteht man das Versenden von freizügigen Fotos, Nacktfotos (Nudes), erotischen Videos sowie Text- und Sprachnachrichten mit sexuellem Inhalt.

Es handelt sich nicht um ein Randphänomen: Ein beachtlicher Teil der Jugendlichen hat bereits Erfahrungen mit Sexting gemacht. Dabei gibt es einige Schattenseiten: Viele Jugendliche verschicken Sexting-Nachrichten, ohne vorher zu fragen, und noch mehr haben solche Nachrichten ungefragt erhalten, teilweise als Versuch einer „Anmache“. Unvorbereitet kann das sehr unangenehm oder sogar abstoßend wirken.

Nicht wenige haben schon sexuelle Inhalte von anderen Personen weitergeleitet. Manche senden Sexting-Nachrichten sogar an Personen, die sie nicht persönlich kennen.

Sexting

Unser Ansatz

Manche Aufklärungsseiten (auch zu den Themen Alkohol- und Drogenkonsum, Medienkonsum, Videospiele, Pornographie) bemühen sich um einen vorsichtigen, diplomatischen Stil, um Leserinnen und Leser nicht zu verschrecken. Dabei wirkt die Wortwahl teilweise so, als würden problematische Phänomene normalisiert und ihre Risiken verharmlost. Einige Probleme werden sogar gar nicht erst angesprochen.

Wir nehmen zu diesen Themen eine klare, kritische Haltung ein und weisen bewusst auf mögliche Probleme hin, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Dabei wollen wir niemanden von oben herab behandeln oder verurteilen. Es geht uns um umfassende Aufklärung, nicht um „gut“ und „böse“. Nur wer alle Risiken kennt, kann eine informierte Entscheidung treffen. Auch für Sexting gibt es nachvollziehbare Gründe. Dennoch muss man sich der möglichen Folgen bewusst sein und abwägen, ob man bereit ist, diese in Kauf zu nehmen. Für Kinder unter 14 Jahren gibt es allerdings nichts abzuwägen: Sexuelle Darstellungen von ihnen sind ausnahmslos verboten.

Gründe für Sexting

Für viele Jugendliche ist es eine Form, Nähe auszudrücken, Vertrauen zu zeigen oder sexuelles Interesse zu signalisieren, und ein Teil ihrer Entdeckung von Sexualität und Intimität. Sicherlich spielen auch Neugier, Spannung, Sehnsucht und Verlangen eine Rolle, so wie in der analogen Welt auch.

Im Einzelnen können folgende Aspekte relevant sein:

  • Bei festen, bestehenden Beziehungen kann Sexting eine Form digitaler Intimität sein, die z. B. bei Fernbeziehungen oder wenn man sich länger nicht sehen kann, gewünscht ist.
  • Für manche ist Sexting eine Form des Flirtens und ein Weg, dabei sexuelles Interesse zu signalisieren.
  • Sexting kann auch Ausdruck von Selbstbewusstsein sein. Manche Jugendliche möchten ihren Körper „feiern“, sich attraktiv fühlen und dies digital festhalten und ggf. mit anderen teilen.
  • Andere sehen es als eine Möglichkeit, Bestätigung zu erhalten und sich begehrenswert zu fühlen.
  • Die Jugend ist eine Zeit des Experimentierens – auch mit Sexualität. Manche sehen Sexting als risikoärmeren Weg, erste sexuelle Erfahrungen zu sammeln, als direkten körperlichen Kontakt. Das stimmt nur zum Teil: Körperlich mag es risikoärmer sein, das Risiko, die Kontrolle über die eigenen Bilder zu verlieren, ist dafür umso größer. Auch spielt die Neugier auf die Reaktionen des anderen eine Rolle.
  • Leider gibt es auch Druck: Studien zeigen, dass vor allem Mädchen von Jungen unter Druck gesetzt werden, Bilder zu schicken, z. B. als Liebesbeweis. Aber auch Gruppendruck ist möglich, z. B. hört man: „Alle in meiner Clique haben das gemacht, und ich wollte nicht als uncool gelten.“

Auch wenn die Gründe für Sexting nachvollziehbar sind, bleiben gravierende Risiken. Tabu-Bruch empfiehlt daher, die Fo(u)r Eyes Only-Regel zu befolgen und konsequent auf Sexting zu verzichten.

Fo(u)r Eyes Only ist ein Wortspiel und steht für „For your eyes only“ und „Four eyes only“. Während das erste im Englischen für „streng geheim“ steht, ist das zweite eine Anspielung auf das „Vier-Augen-Prinzip“. Auch im Deutschen kennen wir den Ausdruck „unter vier Augen“. Beides meint, dass Sexualität in Beziehungen zu den Dingen gehört, die nur von den beteiligten Personen miteinander geteilt werden sollten. Diese Intimität ist nur für die „vier Augen“ bestimmt und sollte daher nie aufgezeichnet werden.

Warum ist Sexting ein Thema für Tabu-Bruch?

Wenn Aufnahmen ungewollt Verbreitung finden oder man aufgrund der Aufnahmen erpresst wird, kann das zu psychischen Problemen führen. Dazu zählen Depressionen, Angstzustände und Verlust des Selbstwertgefühls. Außerdem kann es zu Mobbing bzw. Cybermobbing kommen. Es ist bereits zu Suizidfällen gekommen, z. B. im Fall Amanda Todd. Als Siebtklässlerin ließ sie sich dazu überreden, sich vor der Webcam auszuziehen. Ihr Chatpartner, ein Mann, zeichnete die Übertragung auf, versuchte später, das Mädchen zu erpressen, und verbreitete dann auch Aufnahmen im Internet. Es folgten mehrere Schulwechsel und Umzüge in andere Städte, aber das Thema holte das Mädchen immer wieder ein, und sie war wiederholt Mobbing ausgesetzt. Amandas Psyche nahm über die Jahre schweren Schaden, und die Belastungen mündeten schließlich in ihrem Suizid. Die Verantwortung dafür lag bei dem Täter und bei denen, die sie gemobbt haben, nicht bei ihr.

Selbst wenn die Folgen nicht so gravierend sind wie im Fall Amanda Todd, kann die Lebensqualität langfristig erheblich beeinträchtigt werden. In manchen Fällen kommt es zu einem sozialen Rückzug. Betroffene werden von intensiven Schamgefühlen und Selbstvorwürfen („Ich hätte es besser wissen müssen“) geplagt und fühlen sich hilflos. Außerdem können sich Vertrauensprobleme in zukünftigen Beziehungen oder sogar Angst vor Intimität entwickeln.

Wenn es dir selbst gerade schlecht geht, musst du damit nicht allein bleiben. Auf unserer Hilfeseite findest du Stellen, bei denen du anonym und kostenlos reden kannst.

Risikogruppen

Besonders betroffen sind Jugendliche, die Sexting zur sozialen Bestätigung nutzen. Dies ist doppelt problematisch. Zum einen tendieren sie dazu, ihren Wert über ihre Sexualität zu definieren. Zum anderen gehen sie eher Risiken ein, lassen sich leichter unter Druck setzen und leiden stärker unter den Folgen, falls das Sexting schiefgeht.

Laut Umfragen berichten viele Jugendliche, die intime Fotos verschickt haben, dass nichts Schlimmes passiert ist. Ein Teil hat jedoch Probleme bekommen.

Rechtlicher Rahmen in Deutschland (Stand 2025)

Die rechtliche Situation rund um Sexting ist komplex und für viele überraschend. Besonders wichtig sind die Altersgrenzen und die Verwendung der Aufnahmen.

Kinder unter 14 Jahren:

Jegliche sexuelle Darstellung von Kindern unter 14 Jahren ist ausnahmslos verboten. Dies gilt auch dann, wenn das Kind das Bild selbst erstellt hat. Bereits der Besitz ist strafbar! Unbedingt unterlassen – das ist kein Spiel! Unter 14 Jahren ist man zwar nicht strafmündig, aber wenn der Empfänger älter ist, droht ein Verfahren wegen Besitzes von Kinderpornographie! Das kann die Zukunft beeinflussen (Bewerbungen, Führungszeugnis). (Rechtsgrundlage: § 184b StGB)

Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren:

Das Erstellen und der Besitz sexueller Darstellungen sind strafbar. Ausnahme: Straffreiheit besteht, wenn das Material „ausschließlich zum persönlichen Gebrauch (in einer Beziehung) mit Einwilligung der dargestellten Personen“ hergestellt wurde. Aber Vorsicht: Das Weiterleiten solcher Bilder an Dritte ist immer strafbar – auch wenn die abgebildete Person zugestimmt hat! Wenn also beide z. B. 16 Jahre alt sind und sich in einer Beziehung mit Einwilligung beidersich gegenseitig Fotos schicken, ist das gesetzlich straffrei. Sobald jedoch eine der beiden Personen Aufnahmen weiterleitet oder anderen zeigt („zugänglich macht“), ist das illegal. (Rechtsgrundlage: § 184c StGB)

Da man ab 14 Jahren strafmündig ist, können Jugendliche strafrechtlich belangt werden!

KI-Bilder und Deepfakes: Auch sexuelle Darstellungen von Kindern und Jugendlichen, die mit KI bearbeitet oder erstellt wurden, können unter diese Vorschriften fallen, wenn sie echt wirken.

Vorsicht: Das unaufgeforderte Versenden von Sexting-Nachrichten kann als sexuelle Belästigung gewertet werden und strafrechtliche Folgen haben. (Rechtsgrundlage u. a.: § 184 StGB)

Strafbare Inhalte – richtig reagieren

Egal, ob es Aufnahmen von minderjährigen Bekannten sind oder anderes kinder- oder jugendpornografisches Material (dazu zählen auch Bilder, die mit KI bearbeitet oder erstellt wurden!), so solltest du reagieren, wenn du solches Material erhältst:

  1. Nicht teilen, nicht speichern, nicht bearbeiten oder „zensiert“ weiterleiten!
  2. Kennst du den Absender, weise ihn darauf hin, dass er sich strafbar macht, und fordere ihn auf, sofort damit aufzuhören. Ist der Absender eine fremde Person, antworte nicht. Täter nutzen jede Reaktion, um Kontakt aufzubauen.
  3. Hol dir Hilfe, wenn die abgebildete Person Schutz braucht (z. B. weil das Bild gegen ihren Willen verbreitet wird), wenn der Absender nicht einsichtig ist und nicht aufhört oder wenn du unsicher bist. Lösch das Material in diesem Fall vorerst nicht, sondern informiere eine Vertrauenslehrkraft oder die Schulleitung. Diese müssen dann handeln und auch die Polizei einschalten. Zeig das Material niemandem, auch nicht der Lehrkraft, und leite es auf keinen Fall weiter. Die eigentliche Beweissicherung ist Sache der Polizei. Sie gibt dir dann weitere Anweisungen zum Vorgehen.

Wenn du unsicher bist, welcher Fall zutrifft, kannst du dich auch anonym bei einer Beratungsstelle beraten lassen (siehe Hilfeseite).

Du kannst dich bei einer Beratungsstelle (z. B. Nummer gegen Kummer) beraten lassen. Ist die abgebildete Person vielleicht jemand, der Schutz benötigt, weil das Bild gegen dessen Willen verbreitet wird? Dann sollte der Fall vielleicht von der Polizei verfolgt werden.

Problematische Fälle in der Praxis

1. Rechtliche Konsequenzen

Beispiel 1: Max (16) leitet ein Nacktfoto seiner Ex-Freundin Paula (15) an Freunde weiter. Die Polizei wird eingeschaltet. Max wird wegen Verbreitung von Jugendpornographie angezeigt. Das Verfahren landet in seiner Akte und kann seine Zukunft beeinflussen (Bewerbungen, Führungszeugnis).

Wenn die beiden an der gleichen Schule oder gar in der gleichen Klasse sind, kann so ein Vorfall auch schulische Konsequenzen, z. B. Klassenkonferenzen, zur Folge haben.

Beispiel 2: Lisa (16) und Tom (16) sind seit einem Jahr zusammen. Sie tauschen über WhatsApp intime Fotos aus. Als sie sich trennen, schickt Lisa aus Wut eines seiner Nacktfotos an ihre Freunde weiter. → Lisa macht sich strafbar (Verbreitung von Jugendpornographie).

Beispiel 3: Emma (15) sendet ihrem Freund Max (15) ein freizügiges Foto. Max zeigt das Bild seinem besten Freund. → Max macht sich damit strafbar, auch wenn er es „nur“ einem Freund gezeigt hat, da dies als „zugänglich machen“ gewertet wird.

2. Kontrollverlust über die Bilder

Das Problem: Einmal versendet, hast du keine Kontrolle mehr darüber, was mit dem Bild passiert. Es kann gespeichert, weitergeleitet oder im Internet veröffentlicht werden.

Beispiel 4: Jana schickt ihrem Freund ein Nacktfoto. Nach der Trennung ist er verletzt und postet das Bild in einer Klassenchatgruppe. Innerhalb von Stunden hat die halbe Schule das Bild gesehen. Jana wird gemobbt und fühlt sich hilflos.

Dies ist ein Beispiel für „Revenge Porn“ (Rachepornographie): Hierbei werden intime Bilder oder Videos ohne Zustimmung, oft aus Rache nach einer Trennung, im Internet verbreitet. Das schließt auch gemeinsame Aufnahmen ein, bei denen man miteinander intim war.

Die Realität: Die Aufnahmen können viral gehen. Was einmal im Netz ist, lässt sich kaum noch entfernen. Abfilmen, Fotografieren und Screenshots umgehen selbst Apps mit „Selbstzerstörungsfunktion“ wie Snapchat.

Unbedingt berücksichtigen: „Das Internet vergisst nie!“ – Es kann schwer bis unmöglich sein, Aufnahmen, die über das Internet verbreitet wurden, vollständig löschen zu lassen. Die Praxis zeigt, dass es ein mühsamer Weg ist – ohne Sicherheit für einen 100%igen Erfolg. Es sollte vorher genau abgewogen werden, ob man mit dieser dauerhaften Unsicherheit leben kann.

3. (Cyber-)Mobbing und Demütigung

Das Problem: Sexting-Bilder werden häufig als Waffe beim Cybermobbing eingesetzt. Betroffene leiden unter massiven psychischen Belastungen. Es besteht eine reale Gefahr, dass aus veröffentlichten Bildern Mobbing, Rufschädigung oder Belästigungen entstehen. Außerdem fühlt sich die Verletzung des Vertrauens und der Privatsphäre fürchterlich an. Daraus können sich nicht nur Schamgefühle, Ängste und Mobbing entwickeln, sondern auch tiefgehende psychische Erkrankungen wie Depressionen.

4. Erpressung und Sextortion

Das Problem: Kriminelle oder auch Ex-Partner nutzen intime Bilder zur Erpressung („Sextortion“). Sie fordern Geld oder weitere Bilder und drohen sonst mit Veröffentlichung. Manche Täter versuchen auch, Treffen zu erzwingen, bei denen es zu sexuellen Übergriffen kommen kann. Auch das kommt leider immer wieder vor und kann ein ganzes Leben ruinieren. Unter Umständen bahnt sich so auch Menschenhandel an. Auch Jungen sind von Sextortion betroffen!

Beispiel 5: Sophie chattet mit einem vermeintlich gleichaltrigen Jungen auf Instagram. Sie schickt ihm ein freizügiges Foto. Plötzlich droht er, das Bild an ihre Eltern und Freunde zu schicken, wenn sie ihm nicht weitere Bilder schickt oder Geld zahlt.

5. Falsches Bild von Sexualität und Selbstwert

Das Problem: Viele Jugendliche, die Pornos gesehen haben, lassen sich davon für ihr Sexting-Verhalten inspirieren. Das kann zu unrealistischen Erwartungen führen. Das Thema „Pornos“ ist wichtig und wird oft verharmlost; eigentlich müsste es intensiver betrachtet werden. Sexting kann ebenfalls das Bild von Sexualität verzerren. Außerdem neigen viele Jugendliche dazu, ihren Selbstwert zu sehr über Sexualität zu definieren.

6. Unaufgefordertes Sexting = sexuelle Belästigung

Das Problem: Viele Jugendliche, die Sexting-Nachrichten bekommen haben, haben diese nicht gewollt. Das unerwünschte Zusenden von Nacktbildern ist eine Form sexueller Belästigung und kann strafrechtliche Folgen haben. Es gibt eigene Meldeseiten, auf denen man sich z. B. über unaufgefordert zugesandte Dickpics (Penisbilder) beschweren kann, z. B.: https://www.polizeifuerdich.de/news/dickpics/

7. Deepfakes: gefälschte Nacktbilder

Das Problem: Heute braucht es kein echtes Nacktbild mehr. Mit KI lässt sich aus einem ganz normalen Foto, zum Beispiel aus dem Klassenchat, vom Sportverein oder aus einem öffentlichen Profil, eine täuschend echt wirkende sexualisierte Darstellung erzeugen. Für Betroffene ist es kein Trost, dass das Bild „nur fake“ ist: Die Scham, die Angst und die Blicke der anderen am nächsten Morgen sind echt. Wer solche Bilder von Minderjährigen erstellt oder weiterleitet, kann sich strafbar machen. Wenn du betroffen bist, gilt alles aus dem Abschnitt „Was tun, wenn etwas schiefgeht?“.

Bevor du etwas verschickst: ehrliche Fragen an dich

Es gibt kein „sicheres“ Sexting. Sobald ein Bild dein Handy verlassen hat, entscheidet die andere Person, was damit passiert, nicht mehr du. Wenn du trotzdem darüber nachdenkst, beantworte dir vorher diese Fragen ehrlich.

Wie alt bist du, und wie alt ist die andere Person? Unter 14 Jahren ist jedes intime Bild strafbar, auch wenn du es selbst gemacht hast. Du bringst damit vor allem die Person in Schwierigkeiten, die es bekommt. Zwischen 14 und 17 ist nur der Austausch in einer Beziehung mit Einwilligung beider straffrei. Weiterleiten oder anderen zeigen ist immer strafbar.

Hast du dir Zeit gelassen? Schlaf mindestens eine Nacht darüber. Stell dir vor, wie du dich fühlen würdest, wenn deine Eltern, Lehrkräfte oder Mitschüler das Bild sehen.

Vertraust du der Person wirklich zu 100 Prozent? Denk daran, dass Beziehungen nicht immer halten und Menschen nach einer Trennung manchmal anders handeln, als du es heute für möglich hältst.

Fühlst du dich unter Druck gesetzt? Dann schick das Bild auf keinen Fall. Echte Liebe übt keinen Druck oder Zwang aus, sondern respektiert, wenn du kein Sexting willst. Für sexuelle Intimität gilt immer: Sie ist ein Einander-Schenken, nie ein Fordern. Wer Druck macht, beweist das Gegenteil von Liebe.

Weißt du sicher, wer auf der anderen Seite sitzt? Wenn du jemanden nur aus dem Internet kennst, kannst du das nicht wissen. Täter geben sich oft als Gleichaltrige aus. Schick Menschen aus dem Internet niemals intime Bilder.

Beim Empfangen

Respektiere das Vertrauen. Zeige intime Bilder niemals anderen Personen und leite sie auf keinen Fall weiter. Das ist nicht nur extrem respektlos, sondern auch strafbar. Wenn die andere Person möchte, dass du die Bilder löschst, dann tu das.

Bei unerwünschten Bildern. Du musst nicht antworten, wenn dir jemand ungefragt intime Bilder schickt. Notiere dir zuerst Plattform, Account-Name, Link, Datum und Uhrzeit sowie gegebenenfalls Zeugen. Du kannst auch Screenshots vom Profil und vom Chatverlauf machen, aber nicht vom Bild selbst. Blockiere die Person danach und melde sie bei der Plattform.

Vorsicht: Du kannst oft nicht erkennen, wie alt die Person auf dem Bild ist. Zeigt das Bild möglicherweise eine minderjährige Person, darfst du es weder speichern noch anderen zeigen, sonst machst du dich selbst strafbar. Wie du dann vorgehst, steht im Abschnitt „Strafbare Inhalte – richtig reagieren“. Hol dir im Zweifel Hilfe bei einer Vertrauensperson, zum Beispiel Eltern oder Lehrkräften, oder direkt bei der Polizei.

Technische Sicherheit – Schütz dein Handy!

Sichere dein Gerät. Dein Handy enthält viel Privates. Nutze ein starkes Passwort oder biometrische Entsperrung. Speichere private Fotos nicht ungeschützt in der Cloud und nutze möglichst Apps, die keine Daten an Dritte weitergeben.

Vorsicht bei Apps. Snapchat-Bilder können trotzdem per Screenshot gespeichert werden. WhatsApp speichert Bilder oft automatisch in der Galerie – ändere diese Einstellung! Bedenke auch, dass jede App gehackt werden kann.

Achte auf Standortdaten. Fotos können unsichtbare Zusatzinformationen (Metadaten) enthalten, zum Beispiel Standort, Datum und Uhrzeit. Wer ein Foto von dir bekommt, kann daraus unter Umständen erkennen, wo du wohnst oder wo du dich regelmäßig aufhältst. Erlaube deiner Kamera-App am besten keinen Zugriff auf deinen Standort. Prüfe außerdem, ob Apps wie Snapchat deinen Standort auf einer Karte anzeigen, und schalte das aus.

Über Grenzen und Respekt sprechen – Wie sage ich es?

Hier findest du Formulierungen, die dir helfen können, deine Grenzen klarzumachen.

Wenn jemand ein Bild von dir möchte
Falls du dich unwohl fühlst, sag es klar: „Ich fühle mich nicht wohl dabei, solche Bilder zu schicken. Das heißt nicht, dass ich dich nicht mag, ich möchte es einfach nicht.“ Oder: „Ich stehe auf dich, aber Sexting ist nicht mein Ding. Ich hoffe, du respektierst das.“
Wenn du Zeit zum Nachdenken brauchst, ist das völlig in Ordnung: „Ich brauche Zeit, darüber nachzudenken. Bitte dränge mich nicht.“

Wenn du unter Druck gesetzt wirst
Mach klar, dass das nicht okay ist: „Wenn du mich wirklich magst, respektierst du auch, dass ich das nicht möchte.“ Oder: „Dass du nicht akzeptierst, dass ich Nein sage, zeigt mir, dass ich dir nicht vertrauen kann.“

Wenn jemand zu dir Nein sagt
Ein Nein ist eine vollständige Antwort. Frag nicht nach, bohre nicht weiter und versuche nicht, die Person umzustimmen. Die richtige Reaktion ist: „Okay, kein Problem. Das ändert nichts daran, dass ich dich mag.“

Wenn Freunde dir fremde Bilder zeigen
Sag: „Hey, ich will das nicht sehen. Die Person hat nicht zugestimmt, dass du es herumzeigst.“ Falls jemand Bilder weiterleitet: „Das ist illegal und echt respektlos. Lösch das und schick es nicht weiter.“

Wenn du schon ein Bild verschickt hast

Das passiert vielen. Du bist deshalb kein schlechter Mensch, und du darfst dir Hilfe holen.

  • Bitte die Person, das Bild zu löschen, auch nach einer Trennung. Zum Beispiel: „Ich möchte, dass du alle Bilder von mir löschst. Bitte bestätige mir das.“
  • Wenn jemand mehr Bilder, Geld oder ein Treffen fordert, geh nicht darauf ein. Schick nichts mehr und zahl nichts. Täter hören danach meist nicht auf, sondern fordern mehr. Brich den Kontakt ab, aber lösch den Chat nicht, denn er ist ein wichtiges Beweismittel. Sag sofort einem Erwachsenen Bescheid.
  • Du darfst zu Eltern oder Lehrkräften kommen, auch wenn du das Bild selbst geschickt hast. Wichtig ist jetzt nicht, wer was falsch gemacht hat, sondern dass du Unterstützung bekommst.
  • Wenn das Bild bereits verbreitet wurde, findest du im nächsten Abschnitt konkrete Schritte und Hilfsangebote.
  • Anonym und kostenlos reden kannst du bei den Stellen auf unserer Hilfeseite.

Was tun, wenn etwas schiefgeht?

Wenn intime Bilder gegen deinen Willen verbreitet werden, ist das belastend. Das gilt auch, wenn das Bild gefälscht oder mit KI erzeugt wurde. Du bist nicht allein, und es gibt konkrete Schritte, die du gehen kannst.

Zuerst: Hol dir Hilfe

Versuch, ruhig zu bleiben, auch wenn das schwerfällt. Du musst das nicht allein lösen. Sprich mit einer Vertrauensperson, zum Beispiel deinen Eltern, älteren Geschwistern, Lehrkräften oder der Schulsozialarbeit. Ja, das ist unangenehm. Aber Erwachsene können dich schützen, die nächsten Schritte übernehmen und dich rechtlich unterstützen. Du darfst auch kommen, wenn du das Bild selbst verschickt hast.

Wenn dich jemand mit dem Bild erpresst oder etwas von dir fordert, lies zusätzlich den Abschnitt „Wenn du schon ein Bild verschickt hast“.

Beweise sichern, aber richtig
  • Notiere Plattform, Account-Namen, Links, Gruppennamen, Datum und Uhrzeit.
  • Mach Screenshots von Chats, Drohungen, Kommentaren und Profilen, aber nicht vom Bild selbst.
  • Lösch keine Chats und Nachrichten, sie können wichtige Beweise sein.
  • Lass dir das Bild nicht von anderen schicken, auch nicht „als Beweis“.

Wie genau Beweise gesichert werden sollen, kann die Polizei oder eine Beratungsstelle sagen.

Die Verbreitung stoppen

Melde den Inhalt bei der jeweiligen Plattform. Bitte die Person, die das Bild verbreitet, schriftlich, es sofort zu löschen. Am besten machst du das gemeinsam mit einer erwachsenen Person. Wenn Freunde davon wissen, bitte sie, das Bild zu löschen und niemandem etwas zu schicken, auch nicht dir.

Es gibt spezialisierte Angebote, die beim Entfernen helfen:

  • Take It Down (https://takeitdown.ncmec.org/de/) ist für Aufnahmen gedacht, die entstanden sind, als du unter 18 warst. Auf deinem Handy wird ein digitaler Fingerabdruck des Bildes erzeugt. Das Bild selbst wird nicht hochgeladen. Teilnehmende Plattformen können so verhindern, dass es dort erneut geteilt wird. Das funktioniert, solange du die Originalaufnahme auf deinem eigenen Handy hast.
  • StopNCII (https://stopncii.org/) funktioniert ähnlich für Aufnahmen, die entstanden sind, als du bereits volljährig warst.

Du hast außerdem ein Recht darauf, dass Suchmaschinen und Webseitenbetreiber solche Inhalte löschen. Die Suche danach und die Löschanträge sollte aber eine erwachsene Person oder eine Beratungsstelle übernehmen. Selbst nach den eigenen Bildern zu suchen, kann sehr belastend sein.

Eine Übersicht mit hilfreichen Links findest du auf unserer Hilfeseite.

Wenn es in der Schule passiert

Falls das Bild in der Schule herumgeht oder du gemobbt wirst, informiere deine Klassenleitung, Beratungslehrkräfte oder die Schulsozialarbeit, damit schnell eingegriffen werden kann. Die Schule ist verpflichtet, dich zu schützen. Nur wenn die Situation trotzdem nicht besser wird, kann in schweren Fällen auch ein Schulwechsel eine Option sein.

Rechtliche Schritte

Das Verbreiten intimer Bilder ohne Zustimmung ist strafbar. Du kannst Anzeige erstatten, entweder bei der Polizei vor Ort oder online (https://www.online-strafanzeige.de/niedersachsen). Wenn du minderjährig bist, mach das am besten gemeinsam mit einer erwachsenen Person. Lade das Bild bei einer Online-Anzeige nicht hoch, sondern beschreibe, wo es verbreitet wurde. Die Polizei kann versuchen, die Täter zu ermitteln, und sich um die Löschung der Inhalte bemühen.

Zusätzlich gibt es zivilrechtliche Möglichkeiten, zum Beispiel eine Unterlassungsforderung. Wenn du minderjährig bist, können deine Eltern oder Sorgeberechtigten das für dich übernehmen.

Psychologische Unterstützung

Es ist völlig normal, sich beschämt, wütend oder ängstlich zu fühlen. Aber wichtig ist: Du bist nicht schuld. Die Verantwortung liegt bei der Person, die dein Vertrauen missbraucht hat. Professionelle Hilfe durch Beratungsstellen oder Therapeutinnen und Therapeuten kann sehr wertvoll sein.

Anonym und kostenlos reden kannst du bei verschiedenen Stellen, die auf der Hilfeseite gelistet sind.

Wenn du Gedanken hast, dir etwas anzutun, hol dir sofort Hilfe: bei einer Vertrauensperson, bei den Stellen auf der Hilfeseite oder im Notfall unter 112.

Fazit

Unsere Empfehlung bleibt: Fo(u)r Eyes Only. Was nur für eure Augen bestimmt ist, sollte nicht digital existieren. Und wenn doch etwas passiert ist: Fehler passieren. Wenn du in einer schwierigen Situation bist: Du bist stark, weil du damit umgehst und dir Hilfe holst. Wer Vertrauen missbraucht, sollte bestraft werden – nicht die Person, die geschädigt wurde. Du darfst dich wehren!


Hinweise für Freunde, Angehörige, Mitschüler und Bekannte

Diese Dinge sind schädlich:

◉ Auf keinen Fall die Nachrichten, Bilder oder Aufnahmen ansehen, speichern oder weiterleiten. Auch nicht „nur aus Neugier“! Das macht die Situation schlimmer und verletzt die betroffene Person erneut. Das Weiterverbreiten intimer Bilder ohne Einwilligung ist nicht nur „nicht okay“, sondern kann strafbar sein!

◉ Mache keine Vorwürfe! Sätze wie „Warum hast du das überhaupt gemacht? Wieso hast du dir das nicht vorher überlegt? Das war doch klar!“ helfen gar nicht. Sie verstärken Selbstvorwürfe, Scham- und Schuldgefühle, unter denen die betroffene Person ohnehin schon stark leidet.

◉ Keinen Druck ausüben, darüber zu reden: Die Person soll selbst entscheiden, wann und mit wem sie sprechen möchte. Drängen kann zusätzlich belasten.

◉ Keine Witze machen oder die Sache herunterspielen. Kommentare wie „Ist doch nicht so schlimm“ oder „Da musst du jetzt drüber wegkommen! Vergiss es einfach!“ können sehr verletzend sein und empathielos wirken.

◉ Wenn du merkst, dass jemand unter dem Vorfall leidet, lass die Person nicht allein. Ein kurzer, ehrlicher Zuspruch kann helfen, zum Beispiel: „Ich finde nicht okay, was passiert ist. Ich stehe auf deiner Seite. Wenn du reden möchtest, bin ich da.“ – Schweigen wirkt oft stärker, als andere denken. Die betroffene Person kann es als Ablehnung oder Verurteilung erleben, obwohl viele eigentlich nur unsicher sind und nicht wissen, wie sie helfen sollen.

◉ Versuche nicht, alles allein zu regeln: Freunde sollen unterstützen, aber nicht die ganze Verantwortung tragen. Wenn die Lage ernst ist, müssen Erwachsene oder professionelle Hilfsangebote eingeschaltet werden.

Diese Dinge sind hilfreich:

◉ Zuhören und ernst nehmen: Oft hilft es schon sehr, wenn jemand ruhig zuhört und nichts bewertet. Sag: „Du hast Vertrauen geschenkt. Dass jemand dieses Vertrauen verletzt hat, ist nicht deine Schuld.“

◉ Stoppt Gespräche, Witze und Getuschel. Wer merkt, dass andere darüber reden, kann klar sagen: „Das geht uns nichts an“ oder „Hör auf, das weiterzuverbreiten.“ – Wenn jemand trotzdem weitermacht, hol eine erwachsene Person dazu, zum Beispiel eine Lehrkraft.

◉ Biete an, gemeinsam zu einer Vertrauensperson zu gehen, zum Beispiel zu Eltern, Lehrkräften, Schulsozialarbeit oder Beratungsstellen. Allein ist so ein Schritt oft viel schwerer.

◉ Im Alltag da sein: Setzt euch in der Pause dazu, schreibt nette Nachrichten, geht den Schulweg gemeinsam oder bleibt in schwierigen Momenten in der Nähe. Kleine Zeichen von Rückhalt können sehr viel bedeuten.


Am Ende ein paar wichtige Worte an Eltern und Lehrkräfte

An Eltern

Wenn es um Probleme mit intimen Bildern oder Deepfakes geht, hat eins Priorität: Der Schutz der geschädigten Person. Keine Fragen: Wie ist es dazu gekommen? Keine Vorwürfe: Wieso machst du so etwas? Es zählt nur eins: Weiteren Schaden abwehren.

Die Schritte für Betroffene (Hilfe holen, Beweise sichern, Verbreitung stoppen) finden Sie im Abschnitt „Was tun, wenn etwas schiefgeht?“. Für Sie als Eltern ist vor allem Folgendes wichtig:

  • Der erste Satz zählt. „Danke, dass du mir das sagst. Wir kümmern uns jetzt gemeinsam darum.“ Fragen wie „Warum hast du das gemacht?“ verstärken die Scham und kosten Vertrauen, auch wenn Ihr Kind das Bild selbst verschickt hat.
  • Keine Strafen in dieser Situation. Wer für das Anvertrauen mit Handyentzug bestraft wird, kommt beim nächsten Mal vielleicht nicht.
  • Keine Screenshots oder Weiterleitungen des Bildes, auch nicht, um es Schule oder Polizei zu zeigen. Handelt es sich um eine minderjährige Person, kann schon das Speichern strafbar sein. Notieren Sie stattdessen Plattform, Accounts und Zeitpunkte und ggf. den Textteil von Chats.
  • Keine Nachrichten in Klassenchats oder an andere Eltern ohne Plan. Das vergrößert oft die Bloßstellung.
  • Auf Veränderungen achten, etwa Rückzug, Schlafprobleme oder Schulangst, und bei Bedarf professionelle Hilfe dazuholen. Beratungsstellen sind auch für Sie da (siehe Hilfeseite).

Das Wichtigste lässt sich schon vorher sagen: „Egal was passiert, du kannst zu mir kommen.“

An Lehrkräfte

Die Handlungsschritte für Betroffene finden Sie im Abschnitt „Was tun, wenn etwas schiefgeht?“. Für Sie als Lehrkraft ist vor allem Folgendes wichtig:

  • Ruhig und zugewandt reagieren: Danken, zuhören, keine Moralpredigt. Sagen Sie ehrlich, wer informiert wird, und versprechen Sie keine Verschwiegenheit, die Sie nicht halten können.
  • Keine Screenshots, Kopien oder Weiterleitungen, auch nicht für die Akte, für die Schulleitung oder auf dem Diensthandy. Dokumentiert werden Plattform, Accounts, Zeitpunkte, Drohungen und Zeugen, nicht das Bild. Lehrkräfte dürfen Handys nicht durchsuchen, auch nicht, um das Bild zu finden. Ob ein Handy vorübergehend einbehalten wird, regelt die Schulordnung. Durchsuchung und Beschlagnahme sind Sache der Polizei.
  • So wenig Weitergabe wie möglich. Der Vorfall sollte in einem möglichst kleinen Personenkreis behandelt werden. Es muss nicht das ganze Kollegium informiert werden und die Klasse sollte keine Details erfahren.
  • Eine feste Ansprechperson, damit das Kind seine Geschichte nicht mehrfach erzählen muss.
  • Auch jugendliche Täter brauchen einen Weg, sich zu melden. Viele bereuen ihr Handeln schnell. Hier helfen die Vertrauenslehrkräfte weiter.
  • Den Ablauf vorher klären: Wer begleitet die betroffene Person, wer informiert Schulleitung und Eltern, wer kontaktiert Fachberatung oder Polizei? Das gehört ins Schutzkonzept, bevor ein Fall eintritt.

Beratung

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